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ZEIT FÜR LIEBE
- SEX, INTIMITÄT & EKSTASE IN BEZIEHUNGEN
Diana Richardson

Kapitel 5





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Zur Unschuld zurückkehren: Die Schlüssel zur Liebe

Beim konventionellen Sex können wir unseren Körper mit einer offenen Blüte vergleichen, deren Blütenblätter sich nach außen hin öffnen und in die Welt hinein reichen. Die Energie wird primär vom Zentrum hinweg nach außen getragen, unsere Aufmerksamkeit richtet sich auf den anderen.

Durch den Körper leben lernen

In Tantra wird die Blüte bewußt nach innen gewendet, die Blütenblätter werden zur Mitte hin gezogen und in Richtung auf den Kern gedreht, so als würden sie wieder zu einer Knospe werden. Die Energie geht hauptsächlich in die Richtung unserer eigenen Mitte. Die "Schlüssel zur Liebe" werfen uns nach innen zurück, damit wir uns auf uns selbst und unseren inneren Raum konzentrieren, den wir bewußt erschaffen und erweitern müssen. Die "Schlüssel zur Liebe" helfen uns, unsere Aufmerksamkeit von der Peripherie nach innen, zum Kern zu richten und versetzen uns in die Lage, unsere Bewußtheit auf das Innere unseres Körpers zu konzentrieren. Indem wir unser Bewußtsein im Körper verwurzeln und den Körper als konstanten Bezugspunkt benutzen, werden wir fähig, immer mehr im gegenwärtigen Moment zu bleiben. Tatsächlich ist der Körper das einzige, was immer im jetzigen Augenblick lebt, und wenn wir lernen, durch den Körper zu leben, erhöhen sich unsere Chancen, rundum glücklich zu sein. Wir lassen den verstrickten, gequälten, herumstreunenden Verstand zugunsten der einfachen, gottgegebenen Freuden des Fleisches zurück.

Das Tantra zugrundeliegende Thema, die Polarität, durch die die Genitalien eine ihnen eigene Energie erzeugen, beginnt sich ganz von selbst abzuzeichnen, wenn wir bewußt Liebe machen, besonders wenn es kontinuierlich geschieht. Mit dem Wissen über die Polarität und darüber, wie wichtig es ist, sich der positiven Pole zu bedienen (was wir als "Hintergrund-Schlüssel zur Liebe" bezeichnen könnten), machen die "Schlüssel zur Liebe" den Körper zu einem Instrument, einem Anker und einer Brücke, die uns in der sexuellen Gegenwart verwurzelt sein läßt. Die "Schlüssel zur Liebe" werden uns zu bestimmten Körperteilen führen, die uns Zugang zum "Hier und Jetzt", zum gegenwärtigen Moment verschaffen.

Diese "Schlüssel zur Liebe" haben mir viele tausend Mal geholfen, und als ich mich Schicht für Schicht in sie hineinfallen ließ, wurde ich langsam fähig, meine Bewußtheit in meinem eigenen Körper zu zentrieren und mir wieder selbst zu vertrauen. Als Ergebnis dessen, daß ich den Liebesakt nun bewußt vollzog, verschwanden alte sexuelle Wunden aus meinem Körper, unterdrückte Energie wurde freigesetzt, und ich war in der Lage auf einer höheren Frequenz zu schwingen.

Als ich damals in Indien die "Schlüssel zur Liebe" zum ersten Mal einer Gruppe Menschen aus dem Westen vorstellte, war ich verblüfft über die geradezu sensationell schnellen Reaktionen. Die Atmosphäre war getränkt von Liebe, sie sprühte aus den Augen der männlichen wie weiblichen Teilnehmer. Wozu ich Jahre gebraucht hatte, nämlich das Alte zu entwirren und es neu zu ordnen, geschah hier in ein paar Tagen. Das beruhigte mich, denn es bestätigte mir, daß unsere Körper ganz instinktiv ähnlich reagieren. Seitdem habe ich mit vielen Paaren gearbeitet und herausgefunden, daß sie, egal ob sie noch Teenager oder schon über sechzig, ob sie seit einer Nacht oder seit zweiunddreißig Jahren zusammen sind, auf die gleiche Art und Weise reagieren. Aber ich möchte noch einmal betonen, daß es ein kontinuierlicher Prozeß ist, durch die "Schlüssel zur Liebe" "Präsenz" im Körper herzustellen. Er hört nie wirklich auf. Obwohl sich anfangs ein unmittelbares Gefühl von Verzauberung und eine entspanntere Einstellung dem Sex gegenüber einstellen kann, braucht es doch seine Zeit, bis sich die sexuelle Präsenz fest im Körper verankert hat. Man kann einfach nicht erwarten, sich plötzlich in eine ganz neue Seinsweise zu begeben, nachdem man Jahrzehnte lang auf die gleiche Weise mit sexuellen Phantasien oder auf die Belohnung durch den Orgasmus konzentriert funktioniert hat. Alte Muster hinter sich lassen. Es ist sehr wichtig sich als Paar klar zu machen, daß es eine Kunst ist, das Liebemachen zu verändern . Es ist kein kleiner Ausflug, sondern eine lange Reise. Diese Reise besteht aus viele kleinen Schritten, die manchmal eine große Wirkung haben können. Aber je mehr wir mit den Schlüsseln der Liebe experimentieren, desto mehr können wir üben, uns von unseren eingefahrenen Verhaltensweisen zu entfernen und ganz bei dem zu sein, was im jetzigen Moment geschieht. Es ist eine Übung, bei der wir immer wieder zu unserem Körper zurückkommen. Manchmal gelingt es uns und manchmal nicht. Manchmal wird der Wunsch nach einem Orgasmus zu stark, dann laßt euch bitte nicht davon abhalten und genießt ihn.

Seid euch aber gleichzeitig bewußt, was geschieht und daß ihr euch dafür entschieden habt. Das allein ist ein enormer Schritt. Es bringt Bewußtheit in den Vorgang. Und je geübter wir darin werden, während des Liebemachens präsent und in unserem Körper zu sein, nicht mehr nur darauf aus, etwas zu tun, sondern glücklich sind, einfach zu sein, desto mehr wird es uns gelingen, die Bewußtheit und Sensitivität unseres Körpers wiederzugewinnen.

Die "Schlüssel zur Liebe" werden deine Verbindung mit deinem Partner stärken und eine neue Intimität zwischen euch entstehen lassen. Es ist, als würdet ihr eine neue Sprache entwickeln, ein solides Fundament für die Liebe. Die durch die "Schlüssel zur Liebe" geförderte Bewußtheit wird euch entspannen lassen und euch mehr Zeit geben auf das zu fokussieren, was gerade in eurem Körper, ganz besonders zwischen Penis und Vagina geschieht. Wenn sich die Empfindungsfähigkeit der Genitalien erhöht und die Polarität sich langsam herstellt, beginnen die positiven und negativen Pole aufeinander zu reagieren und geraten in eine wunderbare Schwingung. Der Sex ist wieder da angekommen, wo er hingehört, nämlich in dem Körper; er hat nichts mehr mit dem Kopf zu tun.

Laßt euch Zeit, um Stille zu schaffen

Aber das geht nicht von heute auf morgen. Wenn ihr eine neue Art und Weise erlernt, eure Genitalien zu spüren, so habt ihr am Anfang vielleicht Schwierigkeiten, überhaupt etwas zu fühlen. Schon der Versuch, etwas zu fühlen, kann eine große Anstrengung bedeuten. Bis zu diesem Zeitpunkt waren unsere sexuellen Erfahrungen immer von einer Menge Reibung abhängig. Aber jetzt suchen wir nach einer Feinfühligkeit, die über diese oberflächlichen Sinneseindrücke hinausgeht. Ihr kommt mit einer sehr viel feineren Ebene in Kontakt, und die leuchtet und sprüht vor Leben und ist viel befriedigender. Und obwohl ihr niemals eure Erregbarkeit verlieren werdet, laßt ihr doch die anfängliche Intensität und das Überwältigende dieser Erregung hinter euch. Es ist fast so, als schreite man darunter hindurch. Man muß sowohl den Körper wie auch den Geist verlangsamen und dadurch genug Ruhe schaffen, um etwas so Subtiles zu spüren, etwas das vorher kaum wahrnehmbar war. Um diesen Grad an Sensitivität zu erreichen braucht man Zeit und Hingabe an den Lernvorgang. Aber es lohnt sich ganz ungeheuer.

Wenn du beginnst, die "Schlüssel zur Liebe" zu benutzen, wirst du dich ausgeliefert, verletzlich und vielleicht ein wenig unsicher fühlen. Das ist nur natürlich, denn du beginnst zu deiner eigenen Unschuld vorzudringen. Es ist, als gelangtest du wieder in diesen Zustand kindlich staunender Unschuld, gegenwärtig und spielerisch, und würdest jetzt zum ersten Mal Liebe machen. Es ist eine neue Landschaft mit ungewohnten Farben. Wenn du dich ein bißchen unbehaglich fühlst oder schämst oder dir ein wenig albern vorkommst, dann lache ruhig darüber. Oft schon habe ich wilde unkontrollierbare Lachanfälle bekommen und mich danach viel besser gefühlt, viel lebendiger und entspannter. Wenn du traurig bist, dann laß die Tränen fließen, und sei dankbar, daß du weinen kannst, halte sie nicht zurück. Durch Lachen und Weinen werden innere Spannungen gelöst, und wenn man ihnen Ausdruck verleiht, kommt man leicht in einen tiefen, entspannten, authentischeren Bereich, was die Voraussetzung für Intimität und Befriedigung beim Liebemachen bedeutet.Laßt es spielerisch Gestalt annehmen, so daß wir zwar echt aber nicht ernsthaft sind. Und dazwischen besteht ein himmelweiter Unterschied. Echtheit entspringt dem Herzen und Ernsthaftigkeit dem Kopf. Echtheit versucht und probiert aus, während Ernsthaftigkeit ein idiotensicheres Rezept haben möchte.

Mit den "Schlüsseln zur Liebe" spielen, ähnelt ein wenig dem Schälen einer Zwiebel. Auf jede Schale oder Schicht folgt eine nächste, immer wieder gibt es einen neuen Schritt nach innen zur Herrlichkeit der völligen körperlichen Entspannung. Wenn du und dein Geliebter entspannt und spielerisch miteinander umgehen und ausprobieren könnt, und wenn ihr bereit seid euch aufeinander einzulassen, kann die Liebe tief in euch eindringen. Irgendwann wirst du feststellen, daß du durch dein Bewußtsein Liebe erzeugen kannst, daß die Liebe kein wilder Sturmwind ist, der dich ohne deine bewußte Kontrolle überkommt und umweht, sondern daß du es in der Hand hast.

Experimentiert und probiert aus

Um mit Sex experimentieren zu können, brauchen wir eine neue Einstellung und eine liebevolle Haltung. Als Paar müssen wir genug Neugier entwickeln, um unsere Gewohnheiten beim Liebemachen in Frage zu stellen. Das bedeutet, daß wir wahrscheinlich manches aufgeben müssen, was wir bisher sehr genossen haben. Da der Sex für die meisten von uns zu einem ziemlich mechanischen Hinter-dem-Orgasmus-Herjagen geworden ist ? und viele sind bereit zuzugeben, daß das zu einer Art Sucht geworden ist ? müssen wir einander dabei unterstützen, aus den mechanischen oder "Tun"-Aspekten des Sex auszubrechen oder sie loszulassen. Und wenn wir weiterhin unser Hauptaugenmerk nur auf die "Bonbons" beim Sex richten und darauf, was wir alles aufgeben müssen, fällt es uns schwer zu erkennen, was wir dabei gewinnen.

Oft entsteht ein luftleerer Raum zwischen dem Loslassen des Alten und dem Gewinnen des Neuen; daher brauchen wir Geduld und Bereitwilligkeit, um unsere alten Muster aufzugeben, und eine spielerische, ehrliche Haltung, um uns auf das Neue vorzubereiten. Wenn wir uns auf Ausprobieren und Unerwartetes einlassen, ist es unerläßlich, daß beide Partner eine ähnliche Einstellung haben, um ein enges Zusammenkommen bei den gemeinsamen Entdeckungen zu ermöglichen. Es mag zum Beispiel eine Herausforderung sein, mitten in der sexuellen Lust und Erregung für Experimente offen zu bleiben. Du fühlst vielleicht einen plötzlichen unwiderstehlichen Drang zum Orgasmus zu kommen ? in dem Moment scheint es nichts Wichtigeres zu geben. Aber wenn dein Partner dir dann helfen kann, ins "Jetzt" zurückzukommen, dann hast du die Möglichkeit zu entspannen und den großen Schritt zu machen, von diesem zwanghaften Drang abzulassen. Und so kann das Mysterium des Sex sich dir enthüllen. Diese Art von Unterstützung und Bewußtheit durch den Partner ist essentiell, wenn man in der Liebe wachsen und Klarheit in die sexuellen Erfahrungen bringen will. Wenn Paare im Sinne dieses Zusammengehens Liebe machen, helfen sie einander und lernen mit- und voneinander.

Zusammen können sie den Weg der Entspannung im Sex entdecken. Alleine geht das nicht. Wenn ein Partner immer wieder die Bemühungen des anderen unterminiert, ist es geradezu unmöglich, die unbewußten sexuellen Aspekte hinter sich zu lassen. Ohne gemeinsame Bereitwilligkeit wird es schwierig, neues Terrain zu erforschen.Gleich von Anfang an müßt ihr euch beide verletzlich machen, müßt ihr beide wagen zuzugeben, daß ihr nicht viel vom Liebemachen wißt, obwohl ihr es wahrscheinlich schon tausendmal getan habt. Eine Frau, mit der ich gearbeitet habe, stellte sich mit den Worten vor, daß sie mindestens schon dreieinhalbtausend Mal auf die selbe Art Liebe gemacht hatte und daß sie da sei, um zu entdecken, was sonst noch möglich sei. Wenn nicht beide Partner willens sind, Neuland zu entdecken indem sie alte sexuelle Gewohnheiten in Frage stellen, so führt das leicht zu einem Mangel an Verletzlichkeit. Wenn du glaubst, daß du schon alles kennst, was zum Liebemachen nötig ist und weißt, wie diese mysteriöse Energie wirkt, dann ist kein Platz für andere, möglicherweise feinere und aufbauendere Erfahrungen. Stattdessen mußt du bereit und willens sein, all deine Gefühle zuzulassen und deine Unsicherheiten und Ängste im Sex bloßzulegen. Wenn du in deinem Denken zu festgefahren bist, kann das höhere orgasmische Potential im Sex nicht realisiert werden.

Verbannt Regeln aus dem Schafzimmer

Wir dürfen nicht vergessen, daß es absolut keine Regeln dafür gibt, wie man Liebe macht. Wenn ihr die "Schlüssel zur Liebe" benutzen wollt, so geht es vor allem um Bewußtheit. Durch Bewußtheit sind wir in der Lage, neue Erfahrungen zu machen und zu lernen. Wir lernen durch eigene Erfahrungen. Wenn uns aber Regeln von außen übergestülpt werden, so werden wir uns früher oder später dagegen auflehnen. Es ist die unterminierende Tendenz des Verstandes, an rigiden Ideen festzuhalten, besonders wenn wir uns nicht sicher sind, was als nächstes geschehen wird. Wenn man etwas tun muß, so ist es nicht das gleiche, wie den Wert einer Handlung durch Experimentieren selbst zu entdecken. "So stimmt es für mich", klingt ganz anders als: "Ich muß". Eine Frau orientiert sich sehr leicht an Regeln, denn meist ist sie der körperlich weniger agierende Partner und weniger Tun ist anfänglich einfacher für sie. Ich habe sehr oft Frauen kennengelernt, die den Zeigefinger anklagend erhoben, ihrem Partner Regeln aufbrummen, anstatt ihre eigene Verletzlichkeit in der Situation zu zeigen. Der Mann, der sich getadelt und in seinem Ego bedroht fühlt, wird damit reagieren, daß er rebelliert und sich letztendlich verweigert.

Wenn bei einem neuen, unbekannten sexuellen Weg Unsicherheiten auftauchen, hat Tantra nicht etwa Vorschriften, sondern Vorschläge zu machen: "Laß es uns mal versuchen", können wir sagen. Und wenn wir es dann tun, machen wir konkrete Erfahrungen und sind dadurch imstande, unsere eigene Orientierung und Richtlinien zu finden. Wir sind zwei Menschen, die als Einheit zusammenarbeiten und wie Wissenschaftler mit unersättlicher Neugier die Mißverständnisse der Jahrhunderte aufdecken. Geduld, Liebe, gegenseitige Achtung und Verstehen sind die Methoden von Tantra.

Probiert die zu euch passenden "Schlüssel zur Liebe" aus

In Teil 2 findet ihr die "Schlüssel zur Liebe" unter neun Überschriften aufgelistet: die Augen, der Atem, Kommunikation, genitales Bewußtsein, Berührung, Entspannung, weiche Penetration, tiefe Penetration und rotierende Positionen. Jeder der "Schlüssel zur Liebe" hilft uns dabei, durch den Körper in den gegenwärtigen Moment zu gelangen. Wenn ihr die einzelnen Kapitel zu den Schlüsseln zur Liebe lest, werdet ihr bemerken, daß in jedem Schlüssel andere Schlüssel enthalten sind. Jeder "Schlüssel zur Liebe" enthält eine Reihe von praktischen Vorschlägen, die ihr sofort in euer Liebesspiel aufnehmen könnt. Diese Kapitel enthalten eine Menge Material; glaubt also nicht, daß ihr alle neun "Schlüssel zur Liebe" ständig anwenden müßt, das würde euch überfordern. Nehmt einfach wahr, welche Liebesschlüssel beim Lesen besonders auf euch wirken, welche sich für euch richtig anfühlen, welche euch neugierig werden lassen. Und mit denen fangt ihr an. Wenn ihr euch nach und nach mit ihnen vertraut fühlt, könnt ihr wieder neue aufnehmen. Auch werdet ihr wahrscheinlich, wenn ihr schon eine Zeitlang experimentiert habt, die neuen Dinge sinnvoller finden, sie besser verstehen oder euch für etwas interessieren, was euch vorher völlig kalt gelassen hat.

Es ist ein einzigartiger Tanz, eine Reise, ein Abenteuer. Während des Ausprobierens werden sich eure Erfahrungen und damit eure Wahrnehmungen vertiefen. Sogar wenn ihr anfangs nur zwei beliebige Liebesschlüssel in euer Liebesspiel aufnehmt, wenn ihr euch zum Beispiel in die Augen schaut und tief und langsam atmet, werdet ihr höchstwahrscheinlich eine bessere Qualität beim Liebemachen erleben. Ihr braucht also nicht alles gleichzeitig auf- und anzunehmen, es bleibt euch überlassen eine Auswahl zu treffen. Außerdem ist es ein Lernprozeß, der seine Zeit braucht, denn vor uns liegt kein plötzlicher Bruch, sondern eine Bewußtseinsveränderung. Ein Paar erzählte mir ein Jahr nach seinem ersten Workshop, daß sie mit den "Schlüsseln zur Liebe" ausgiebig experimentiert hatten, aber immer noch großes Vergnügen an ihrem Orgasmus hätten. Die Liebesschlüssel versetzten sie in die Lage, präsenter und liebevoller zu sein und das Liebemachen länger auszudehnen, was ganz wunderbar sei. Und dann gönnten sie sich sozusagen als krönenden Abschluß einen Orgasmus. Sie nahmen an einem weiteren Workshop teil und setzten danach ihre Experimente fort. Zweieinhalb Jahre nach unserem ersten Treffen sagte die Frau eines Tages am Telephon zu mir: "Weißt du, wir haben beide kein Interesse mehr am Orgasmus. Es ist kaum zu fassen, denn er war uns immer so wichtig. Aber langsam haben wir entdeckt, wie wir "hier" sein können. Es ist so viel schöner, viel relaxter. Was soll da noch der Orgasmus! Und wir sind sehr glücklich, sehr verliebt."

Das Schöne an der Sache ist, wenn erst einmal Bewußtheit in den Sexakt gekommen ist, wird eine Entwicklung in Gang gesetzt, bei der die alten Verhaltensmuster und Gewohnheiten langsam ganz von selbst aus dem System entfernt werden. Es gibt so viele neue Erfahrungen und das Bewußtsein vertieft sich. Habt also keine Angst, einige der "Schlüssel zur Liebe" auszuprobieren, während ihr Liebe macht. Versucht es mal mit einem oder zwei und beobachtet, was geschieht. Wenn ihr als Paar experimentiert, dann besprecht zuerst, womit ihr anfangen wollt. Wenn beide Partner dieselben "Schlüssel zur Liebe" benutzen, etwa den Atem und die Verbindung der positiven Pole, so wird sich die Wirkung auf die sexuelle Energie verstärken, aber das ist nicht wesentlich.Sogar wenn ihr euch nicht vorher entschieden habt oder wenn jemand keinen festen sexuellen Partner hat, mit dem er oder sie experimentieren kann, könnt ihr euch doch ganz plötzlich dazu inspiriert fühlen, etwas auszuprobieren. Vielleicht erlebt ihr eine Überraschung. Als eine Freundin von mir in einem Workshop hörte, daß die Entspannung durch die "Schlüssel zur Liebe" auch eine Entspannung der vaginalen Muskeln beinhaltete, wollte sie das nicht recht glauben. Sie sagte damals nichts darüber, aber als sie später mit ihrem Partner experimentierte, erinnerte sie sich daran und beschloß es auszuprobieren. Sie entspannte ganz bewußt ihre Vagina. Diese weitete und öffnete sich, und der Penis drang, stoßend seinen Weg erkundend und geradezu dankbar vor Entzücken, augenblicklich in ihre ganze Tiefe.

Wenn du einen speziellen Liebesschlüssel ausgewählt hast, mit dem du spielen willst, dann verbreite dein Bewußtsein immer weiter durch den ganzen Körper. Wenn du dir zum Beispiel ausgesucht hast, dich auf den positiven Pol zu konzentrieren, dann bleibe nicht alleine auf diesen Bereich fixiert. Laß es nicht so weit kommen, daß du nichts anderes mehr wahrnimmst, so daß es statt eines schmelzenden Entspannens im Körper zu einer Fixierung und damit einer Spannung kommt. Wenn du merkst, daß du zu viel dabei denken mußt, dann entspanne dein Gehirn, stell dir einfach vor, wie es sich aufblättert und ausweitet. Fege mit deiner Bewußtheit durch den gesamten Körper, von Kopf bis Fuß und wieder zurück, wobei du die Verbindung der Körperteile zum Ganzen fühlst. Das verbreitet und erweitert die sexuelle Energie und macht den Körper zu einer organischen Einheit.

Wie die "Schlüssel zur Liebe" dir helfen, deine Beziehung zu verbessern Tantra schlägt drei Methoden vor, wie wir uns der zähen Schicht unserer gefühlsarmen, unwissenden Vergangenheit entledigen, unsere Sexualität erforschen und uns wirksam reinigen oder von unbewußten sexuellen Verhaltensmustern dekonditionieren können, die die Qualität der Liebe in unserem Leben beeinträchtigen. Dabei sind die "Schlüssel zur Liebe" ein wichtiges Hilfsmittel. Die erste Methode ist, die Gewohnheit in Frage zu stellen, für einen Orgasmus zu gehen. Es ist wichtig, sich klar zu machen, daß wir grundsätzlich abwesend und uns selbst ein paar Schritte voraus und dadurch relativ unbewußt sind, wenn wir dafür gehen. Die zweite ist, beim Sex einen Wechsel vom Tun zum Sein zu vollziehen. Macht euch auch klar, daß wir, selbst wenn wir am Orgasmus selber gar nicht so interessiert sind, uns dennoch verpflichtet fühlen etwas zu unternehmen, um ein sexuelles Erlebnis zu haben. Die dritte ist, unsere ursprüngliche genitale Feinfühligkeit (die magnetische Intelligenz) durch Entspannung und Bewußtsein im gegenwärtigen Moment wiederherzustellen.Das ist ein wechselseitiger Vorgang. Je mehr man seine Muster in Frage stellt, desto leichter wird die genitale Feinfühligkeit wiederhergestellt. Je mehr Bewußtheit du in deine angeborene genitale Intelligenz investierst, desto leichter fällt es dir, deine Muster zu verändern. An manchen Tagen magst du dich auf den einen Aspekt konzentrieren, an andern Tagen auf den anderen. Es ist eine komplette Umerziehung im Sex, die dadurch geschieht, daß du Liebe machst, und nicht dadurch, daß du etwas mit dem Verstand begreifst. Je geübter wir darin werden, uns in unsere sexuelle Energie fallen zu lassen und einfach zu "sein", desto mehr verlieren viele alte emotionale Muster, Gewohnheiten, Reaktionen und Probleme ihre Daseinsberechtigung, Durch den silbernen Faden der Bewußtheit, der sich durch den Körper zieht, wird der Hang zur Unbewußtheit allmählich außer Kraft gesetzt und die dadurch verschwendete Energie zurückgewonnen.

Schlüsselpunkte:

- Die "Schlüssel zur Liebe" stärken deine Verbindung mit deinem Partner.

- Neugier und Kooperationsgeist sind wesentlich beim Experimentieren.

- Schaffe durch unmittelbare körperliche Sensitivität mehr Raum in deinem Inneren.

- Laß deine Erfahrungen dich lehren und leiten.

- Eine Bewußtseinsveränderung ist ein allmählicher Prozeß, der dir sexuelle Ekstase offenbart.


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