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... bringing Tantra from the realms of the esoteric and exotic, into practical daily life...
Interview mit Raja and Puja
Richardson

November 1999
PERSÖNLICHES INTERVIEW über DIE ESSENZ VON TANTRA
Juni 2001
MIT
SPUREN MAGAZIN, SCHWEIZ.
"Ein neuer Zugang
zur Sexualität ist dringend nötig!"
Interview: Claude
Jaermann
Interview: Benjamin Gerold
www.spuren.ch
April 2001
MIT
OSHO TIMES, DEUTSCHLAND
"Denn liebe ist
kein gefühl
es ist ein zustand!"
www.Oshotime.de

PERSÖNLICHES INTERVIEW über DIE ESSENZ VON
TANTRA
F: Über Tantra ist ja zur Zeit sehr viel zu hören und zu lesen. Wo
ordnet ihr eure Arbeit dort ein?
PUJA: Ja, wir
hören mehr und mehr über Tantra, weil mehr und mehr Leute in unserer
Gesellschaft bewusster werden., also eine gute Sache. Unser Ansatz ist anders,
weil er sich um den sexuellen Akt dreht.
F: Ich dachte beim
Tantra gehts um Sex.
PUJA: Ja und nein.
Sicherlich gehts beim meisten Tantra von dem wir hören um Sex aber nicht
unbedingt um seinen zentralen Punkt ? die Sexualorgane an sich. In unserem
Ansatz werden wir uns derer als zwei Hälften eines Ganzen bewusst und
entdecken, wie wir ihre ekstatischen Krafte kreiren können. Auf diese
Weise gehen wir direkt zum Wesentlichen vor. Wir bieten eine tantrische Vision
von Sex an, die ein Erforschen von einem feinen Austausch der Genitalien
beinhaltet. Dadurch entstehen Ekstase und Meditation ganz natürlich. Wegen
unserer direkten Annäherung an Sex arbeiten wir nur mit Paaren und
während unserer Retreats ist genug Zeit, das alles im eigenen Zimmer
auszuprobieren. Auch finden jegliche sexuellen Aktivitäten bei uns nicht
im Gruppenraum statt.
F: Was ist der
Unterschied zu normalem Sex?
RAJA: Es ist ein
langsamerer Ansatz, es geht um Entspannung und Sensitivität, nicht so sehr
um Sensationen und Stimulierung. Normalerweise gehts beim Sex um das Aufbauen
von Energie und Intensitivität. Wir gehen auf einen Orgasmus zu oder einem
anderen Höhenflug. Was aber tatsächlich passiert, ist, das
Körper und Mind sich immer mehr an ? und verspannen. Und das kann
problematisch werden, siehe vorzeitiger Samenerguss oder sexueller Frust. In
Wahrheit fühlen wir uns auf natürliche Weise ekstatisch, wenn wir
anfangen, uns beim Sex tief zu entspannen. Der grosse Unterschied ist also,
dass wir Entspannung auf alle erdenkliche Art und Weise ermutigen. Entspannung
bringt uns ins Hier ? das Geheimnis von Tantra. Wenn wir hier sind, werden wir
wach und bewusst. Und diese besondere Qualität verwandelt Sex in Liebe. Es
ist erstaunlich, normalerweise sehen wir in unsrern Kursen schon nach 2 oder 3
Tagen wie die Paare strahlen und liebevoller sind.
F: Um was geht es?
Was ist der Zielgedanke eurer Arbeit?
PUJA: Das Unglaubliche
ist, dass wenn wir unsere Genitalien besser verstehen konnen, die Art und
Weise, wie Natur sie gemacht hat, kommen wir in Kontakt mit unserem tiefsten
Selbst. Das gibt uns Vertrauen; wir werden liebender und weniger
ängstlich. Mit Sex und Liebe haben viele von uns schmerzhafte Erfahrungen
machen mussen, Enttäuschungen, Unsicherheit,. Unklarheit etc. Wir haben
uns wegen Sex gestritten und wir haben uns wegen Sex von jemanden getrennt, den
wir eigentlich lieben. Und so geht es immer weiter. Jedoch können wir mit
neuem Input und Information das ganze Bild herumdrehen und unser Leben
verändern. Wir können Liebe schaffen, Erfüllung und Zusammenhalt
finden ? durch Sex! Es kann eine stärkende, heilende Kraft sein. Wir
wollen das mit anderen Paaren teilen ? die Möglichkeit, eine liebevolle
Beziehung zu schaffen, wo das sexuelle Interesse und die Anziehungskraft
stärker werden.
F: Stärker?
Normalerweise ist es aber anders herum.
PUJA: Genau. Oft werden
Paare unsensible füreinander, die Körper verschliessen sich,
Gewohnheiten bilden sich
Bei unserem Ansatz werden die Genitalien immer
sensitiver füreinander, wie Musikinstrumente, die sich stimmen, und Sex
wird immer besser!
F: Für wen ist
euer Kurs geeignet?
RAJA: Jedes Paar, das
daran interessiert ist, Liebe zu machen. Jeder hat die Fähigkeit, Liebe zu
machen, also für jeden. Manchmal haben Paare, die zu uns kommen, ganz
aufgehört, Liebe zu machen, oder nur sehr selten, aber dieser Ansatz macht
die Tür zu Intimität wieder auf. Auch finden wir, dass die
Information für jedes Alter passt. Ob sechzehn oder sechzig. Ob 35 Jahre
zusammen oder nur eine Nacht. Wir hatten schon soviele verschiedene
Kombinationen und Nationalitäten, es scheint für alle zu
funktionieren. Interessanterweise ist es für junge Leute einfacher, diesen
neuen Ansatz zu verstehen.
F: Warum?
PUJA: Wenn wir
jünger sind, ist unsere sexuelle Konditionierung nicht so stark. Der Mind
ist nicht so eng, der Körper flexibler und entspannter.
F: Das heisst das
man keine tantrische oder spirituelle Vorerfahrung braucht?
RAJA: Stimmt, wir haben
Paare mit ganz unterschiedlichem Hintergrund. Vorerfahrungen können
natürlich hilfreich sein, sind aber nicht wesentlich. Wir alle haben
ähnliche sexuelle Konditionierungen und die Konditionierung ist die
Ursache für Schwierigkeiten, denen Leute im Sex begegnen.
F: Was meinst du mit
Konditionierung?
RAJA: Wir verspannen
uns einfach zuviel im Sex, wir tun zuviel und hören auch leider viel zu
schnell wieder auf. Die Befriedigung ist nicht wirklich tief und wir wollen
mehr. Das nächste mal machen wir genau das Gleiche und die Unzufriedenheit
wächst. Das geht bis zum Extrem, dass das Interesse an Sex völlig
verloren geht oder man sich abgestossen fühlt. Besonders Frauen. Aber auch
Männer. Das passiert wegen der Spannung und Anstrengung die wir machen.
Viele Männer haben zugegeben, dass Sex für sie harte Arbeit ist, dann
ist es eine Erleichterung, all den Druck und die Erwartungen nicht mehr zu
haben. Wenn wir lernen, uns beim Sex zu entspannen, dann kann es Stunden
dauern, dann gibt es plötzlich keinen Endpunkt mehr. Die Befriedigung ist
wirklich tief, - lieben und geliebt werden. Aber das Entdecken unserer
versteckten sexuellen Möglichkeitem verlangt, dass wir mit unseren
sexuellen Mustern spielen. Sich beim Sex zu entspannen ist eine Kunst, nicht
etwas, das über Nacht geschieht. Die Anspannung in Sex ist unsere
Psychologie, also braucht es Zeit und Übung, uns wieder ins
Lot zu bringen und der Intelligenz der Genitalien zu vertauen.
Genialien und
Intelligenz werden nicht sooft miteinander in Verbindung gebracht.
PUJA: Es gibt eine
unterschwellige Polarität oder Magnetismus zwischen männlichen und
weiblichen Genitalien, eine subtile Anziehungskraft. Das ist die Grundlage
unserer natürlichen, biologischen Ekstase in Sex. Aber wir müssen
langsamer werden, sensibler und wacher und dann fängt diese Intelligenz
an, aufzuwachen. Es hängt vom Bewusstsein ab, es ist keine spezielle
Technik.
F: Gibt es grosse
tantrische Gruppenrituale bei euch?
RAJA: Grosse Rituale
sind unsere Sache nicht. Wir arbeiten mit den Paaren untereinander. Es ist also
keine Gruppenerfahrung sondern eine persönliche. Rituale können uns
helfen, langsam in die Bewusstheit des jetzigen Moments zu kommen. Sie helfen
uns, lebendiger und offener in Körper und Verstand zu sein. Das ist die
Idee dahinter. Wir benutzen andere Sachen, uns ins Hier zu bringen.
Aber wir ermutigen Paare, wenn sie es hifreich finden vor dem Liebemachen ein
Ritual zu machen.
F: Was ist euer
Hintergrund ? wo habt ihr euch inspirieren lassen?
PUJA:
Glücklicherweise haben wir zwei der höchsten Quellen tantrischer
Inspiration ? Barry Long und Osho. Durch beide wurde ich zu einem Erforschen
von Sex geführt, das mein Leben verändert hat. Sicherlich habe ich
niemals erwartet, vor Leuten zu sitzen und Tantra zu lehren. Ich war auf der
Suche nach mehr Tiefe im Sex - und in mir. Ich habe soviel wie möglich auf
täglicher Basis geübt und habe mir langsam eine
völlig andere Erfahrung geschaffen. Das hat mir auch geholfen, die
tantrische Führung auf tieferen Ebenen zu verstehen. Es war mir
möglich, den neuen, radikaleren Ansatz von Barry Long zu verbinden mit den
von Osho interpretierten alten tantrischen Schriften. Barry Long sind die
Wurzeln und Osho die Flügel. Und Sex an sich ist eine Inspiration und eine
spirituelle Erfahrung.
RAJA: Als ich 1995 das
erste Mal mit dieser neuen Art des Liebemachens in Kontakt kam hat es sich
sofort richtig angefühlt. Es hatte nichts mit Schwierigkeiten in meiner
Sexualität zu tun. Mein Sexleben war gut, nur dass ich nichts von anderen
Möglichkeiten wusste. Als ich die Making Love Tapes von Barry Long hörte, konnte ich einfach die Wahrheit hinter seinen Worten
spüren. Es ist schwierig auszudrücken. Aber mir wurde eine
Annäherung an Sex angeboten, bei der ich einfach meinem Körper
vertrauen und alles Weitere dem Bewusstsein in den Genitalien überlassen
konnte. Ich war plötzlich nicht mehr auf irgendeinem Programm. Ich musste
nichts mehr beweisen oder mir Sorgen machen, es war wie nach Hause
kommen. Wahrscheinlich waren meine lange Erfahrung mit Tai Chi hilfreich
? Körperbewusstsein, Grounding etc ? aber um ehrlich zu sein habe ich mich
erst durch diese Art von Liebemachen richtig geerdet gefühlt und hatte
wirklich Zugang zu meiner inneren Welt. Und natürlich habe ich
glücklicherweise in Puja jemanden gefunden, mit deren Erfahrung und
Vertrauen ich weiter diesen Weg erforschen kann.
F: Wann habt ihr
angefangen, eure Making Love Gruppen zu leiten?
PUJA: Die erste Gruppe
leitete ich 1993 für dieTantra Lehrer in der Osho Commune in Pune; im
gleichen Jahr habe ich auch Kurse in Italien gegeben, und 1994 auch mit
Tantra-Lehrern von Tantra International in Europa . Ich hatte also
Gelegenheit auch mit Lehrern von anderen Tantra-Schulen zu arbeiten. Und
seither leiten wir zusammen Gruppen in ganz Europa.
F: Könnt ihr
noch mehr über eure Gruppen sagen?
PUJA: Wir kommen
für eine Woche zusammen und jedes Paar hat ein Doppelzimmer, wenn
möglich mit eigenem Bad. Es ist ein bisschen wie spirituelle
Flitterwochen. Über 7 Tage machen wir Schritt für Schritt die Paare
mit den Love Keys vertaut. Die Love Keys sind sozusagen
die Grundlage unserer Arbeit. Wir konzentrieren uns auf den Körper, machen
Tai Chi, verschiedene Meditationen und Körperarbeit, um unsere Energien
aufzuwecken. Jeden Tag gehen wir einen weiteren Schritt tiefer in ein neues
Bild von Sex. Aber das Üben mit den Love Keys ist der
wichtigste Teil der Gruppe.
F: Dein Buch ist
dieses Jahr erschienen. Es heisst The Love Keys. Was ist die
Verbindung?
PUJA: Das Buch
beschreibt den schrittweisen Ansatz, den wir auch in den Gruppen geben. Es ist
also möglich, schon mit dem Experimentieren mit Hilfe des Buches
anzufangen. Das war die Absicht dahinter. Im Retreat kommt die Information
natürlich direkter rüber, ist also vielleicht einfacher. Und wir
setzen die Theorie sofort in die Praxis um und warten nicht auf später.
Auch sind Raja und ich da, um eventuelle Fragen zu klären, die beim
Experimentieren auftauchen. Das schafft natürlich eine Grundlage fur
Vertrauen.
F: Wird es das Buch
in deutsch geben?
PUJA: Ja, es sieht so
aus, als ob es bald Übersetzungen in deutsch, französisch und
italienisch geben wird.

Interview mit Spuren
www.spuren.ch
Interview: Claude
Jaermann
"Ein neuer
Zugang zur Sexualität ist dringend nötig!"
Wir wollten es genau
wissen und fragten bei der Tantralehrerin Puja Richardson und ihrem Partner
Raja nach.
F: Euer
Meditationsretreat für Paare heisst "Making Love". Was ist der
Inhalt eurer Arbeit?
Puja: Wir lehren Paare,
wie sie Sex durch Bewusstsein in Liebe umwandeln können. Bewusstsein geht
Hand in Hand mit Entspannung, und das ist die eigentliche Basis von Tantra.
Unser Fokus richtet sich auf den Körper, auf einfaches praktisches Lernen,
wie wir das Liebemachen lockerer angehen können.
F: Was
unterscheidet euren Kurs von anderen Tantraseminaren?
Puja: Wir teilen unsere
jahrelange persönliche Erfahrung mit. Wir vermitteln keine speziellen
Energieaufbautechniken oder zelebrieren grosse Rituale. Viele sexuelle Probleme
entstehen durch zu viel Druck und Spannung. Was wir offerieren, ist die
Gelegenheit zur persönlichen Umwandlung ? in den siebentägigen
Seminaren pflanzen wir Samen ein für eine neue Vision von Sexualität.
Zu lernen, wie man während des Liebemachens entspannt bleiben kann, ist
eine tiefe Erfahrung, die ein Leben verändern kann.
F: Kein
Energieaufbau? Keine Ekstase und auch keine Erleuchtung?
Raja: Unser Wunsch ist
es, Liebe zu kreieren. Wir lehren Menschen, wie sie als Individuum und als Paar
liebevoller werden. Wir ersetzen die Ziele in der Sexualität (Orgasmus und
wenn möglich gemeinsam) durch Präsenz. Sexuelle Ekstase kann ein
Ausdruck davon sein, aber kein Ziel. Ekstase entsteht durch Entspannung und
nicht durch Druck. Wer davon auch noch erleuchtet wird: wunderbar! Doch unser
Schwergewicht liegt auf der Basis ? der Liebe zwischen Mann und Frau ? als
Zugang zum Göttlichen. Und zu lernen, wie man Liebe macht, ist die
Ausgangslage dazu.
F: Ihr arbeitet
ausschliesslich mit Paaren. Warum?
Raja: Paare haben eine
sexuelle Beziehung. Das heisst: Sie können die Informationen, welche wir
vermitteln, sofort im Privaten ausprobieren. Das Seminar findet an ausgesuchten
Orten statt, jedes Paar wohnt in einem Doppelzimmer. Viele Paare, die keinen
Sex mehr hatten, beginnen während des Workshops wieder damit. Die
Entspannungsmethode wirkt manchmal Wunder!
F: In allen
Medien ist Sex vertreten. Wozu sollen wir uns noch mehr damit
beschäftigen?
Puja: Sex ist ein
Riesenthema. Doch Sexualität ist auch verbunden mit viel Unglück und
Schmerz. Sie macht Menschen nicht nur glücklich. Oder das Glück ist
von kurzer Dauer und die Frustration darüber stärker. Dass die Medien
über Sex berichten, liegt daran, dass Sexualität ein
Grundbedürfnis ist. Wir sind sexuelle Wesen, und sexuelle Ekstase ist
unser Geburtsrecht. Doch die Realität sieht leider anders aus. Sehr wenige
von uns führen ein glückliches Sexleben. Und wenn, dann ist es
schwierig, dies über längere Zeit aufrechtzuerhalten. Ein neuer
Zugang zur Sexualität ist dringend nötig. Sex ist die Basis unserer
Lebensenergie und nicht ein Supplement. Der grosse Unterschied liegt darin, wie
wir Liebe machen.
F: Die bekannte
Art, Liebe zu machen, ist mit Emotionen, Spannung und Lust verbunden. Ist dies
nur die eine Seite?
Raja: Es ist definitiv
nur eine Seite der Geschichte. Sex ist nicht das, was wir zu kennen glauben.
Emotionen, Spannung und Lust verlangen mehr und mehr Erregung, was oftmals die
Feinfühligkeit der Genitalien zerstört. Wenn du in der Entspannung
Liebe machst, kehrt diese natürliche Spürigkeit der Genitalien wieder
zurück. Und dann machen die Genitalien miteinander Liebe wie zwei Magnete,
die zwischen dem männlichen und weiblichen Körper hin und her
schwingen. Die Erfahrung kann ekstatisch sein. Doch der Anfang heisst
Entspannung.
F: Weshalb
richtet ihr bei eurer Arbeit so viel Aufmerksamkeit auf die
Genitalien?
Raja: Weil wir so wenig
über Penis und Vagina wissen. Deshalb vermitteln wir, wie man durch die
Genitalien feinfühlig werden kann und diese magnetische Energie, die durch
sie und den ganzen Körper fliesst, wahrnehmen kann. Doch wir müssen
weg von Erregung und weg von Energieaufbau, die wir normalerweise in der
Sexualität benutzen.
F: Die
Scheidungsraten liegen europaweit um die 40%. Glaubt ihr, dass auch die Art des
Liebemachens einen Einfluss darauf hat?
Puja: Mit Sicherheit
ist Sex der Hauptgrund, weshalb viele Paare auseinander gehen. Egal, ob sie
verheiratet sind oder nicht. An irgendeinem Punkt wird Sexualität zum
Thema, es wird langweilig, ein Partner mag nicht mehr, der andere wird unruhig,
findet einen anderen aufregender, bis auch diese Person langweilig wird und so
weiter und so fort. Das heisst, wir brauchen Stimulation und Erregung als
sexuellen Auslöser. Mit einem anderen Zugang zur Sexualität laufen
die Dinge anders. Paare, die Liebemachen mit Bewusstsein und Entspannung
lernen, finden mehr Harmonie und Liebe. Sie bleiben zusammen und das sexuelle
Interesse steigt ? es klingt wie ein Wunder! Deshalb hat Sex einen starken
Einfluss auf das Zusammenbleiben von Paaren. Konventioneller Sex, der Mann und
Frau ja zusammenbringt, separiert sie auch. Und das ist traurig. Wenn Sex
richtig verstanden wird, gibt es bald keine Persönlichkeits- und
Machtprobleme mehr zwischen Paaren. Wir realisieren gar nicht, wie kraftvoll
Sexualität ist und wie sie unseren Alltag und unsere Partnerschaft
beeinflusst.
F: Das klingt,
als ob Sexualität das Wichtigste im Leben sei?
Raja: Unser Alltag ist
gefüllt mit Geschäft und Familie. Liebemachen steht am Ende der
Prioritätenliste. Wir empfehlen einfach, Zeiten für das Liebemachen
einzuplanen und diese auch einzuhalten. So kann ein völlig neues
Lebensgefühl entstehen, das auch positive Auswirkungen auf den Alltag, das
Geschäft, die Freunde und Familie hat.
F: Wie seid ihr
überhaupt auf diesen Weg des Liebemachens gekommen? Wer oder was hat euch
inspiriert?
Puja: Als jahrelange
Körperarbeiterin liebte ich ganz einfach Körper, und
glücklicherweise fand ich in der Form von Barry Long und Osho die beiden
höchsten tantrischen Inspirationsquellen. Ich praktizierte deren Lehre und
begann die Sexualität zu erforschen. Ich hatte nie das Ziel, eines Tages
Kurse darüber zu leiten. Ich war auf der Suche nach mehr Tiefe in meiner
Sexualität. Jahrelang übte ich jeden Tag, bis sich langsam eine total
andere sexuelle Erfahrung einstellte. Erst diese Erfahrung erlaubte mir, die
tantrische Lehre von Barry Long und Osho zu verstehen.
Ich verband die moderne
und radikale Ansicht von Barry Long mit uralten tantrischen Lehren, die in
diesem Jahrhundert von Osho so wunderbar interpretiert wurden. Barry Long ist
die Wurzel und Osho die Flügel.
F: Wieso
bezeichnet ihr Barry Long als die Wurzel und Osho als die Flügel?
Puja: Barry Long s
Geschenk ist das Bewusstmachen von sexuellen Emotionen, wie sie Liebe
zerstören können und unser effektives Potenzial behindern. Er hat
einen grossen "Reinigungsprozess" in der Sexualität initiiert.
Aber er vermittelt nur einen Teil von Tantra. Da ist noch eine essenzielle
Information über Körperpolarität und Magnetismus, die er
übersieht. Zum Beispiel werden in den alten tantrischen Sutras die
Liebhaber instruiert, die weiblichen Brüste vermehrt in den Liebesakt zu
integrieren. Die weibliche Brust ist entscheidend für ekstatische
Erfahrungen und zwar für die Frau und den Mann. Barry Long erwähnt
die weibliche Brust mit keinem Wort. Gleichzeitig hört man bei Osho nie
etwas über sexuelle Emotionen, da dies vor allem in der westlichen
Gesellschaft ein Phänomen ist und in seinem Kulturkreis praktisch nicht
existiert. Er war ein östlicher Meister, der sein Augenmerk auf das
Zusammenbringen von Sexualität und Meditation zur persönlichen
Transformation legte. Meine sexuellen Emotionen standen mir im Weg, um Oshos
tantrische Dimension zu verstehen und zu erleben. Ich musste erst das eine
integrieren, bevor ich mich den subtilen Energiephänomenen innerhalb
meines Körpers zuwenden konnte. Deshalb ist für mich Barry Long die
Wurzel und Osho die Flügel. Das Üben und Integrieren über
mehrere Jahre gab uns die Erfahrung, dies weiterzugeben.

Artikeleines Teilnehmers im Magazin 'SPUREN'
Wer macht Liebe?
Wir haben laufen
gelernt, sprechen und lesen. Doch haben wir je gelernt, Liebe zu machen? Puja
Richardson und ihr Partner Raja lehren die totale Entspannung ? der
Schlüssel zur körperlichen Liebe.
Von Benjamin Gerold
"Vergesst alles,
was ihr bisher über Sexualität gehört und gelernt habt",
begrüssen uns Puja und Raja Richardson verheissungsvoll. Uns, das sind 18
Paare, die ihrem Sexualleben eine neue Richtung geben wollen. Da sitzen junge
Menschen, die voll im Saft sind und sich trotzdem nach einer sexuellen
Begegnung immer mal wieder leer fühlen. Es finden sich Ehepartner ein,
deren langjährige Beziehung sich sexuell irgendwie tot gelaufen hat. Auch
ein älteres Paar ist im Kreis anwesend. Nach fünfzig Jahren Sex fragt
sich die zierliche Frau: "Das kann es doch noch nicht gewesen sein?"
Körperwahrnehmung
"Wenn wir alle
mit unserem Sexualleben glücklich wären, würden wir nicht hier
im Raum sitzen", sinniert Puja weiter. Wir alle erlebten in der
Sexualität Verletzungen und Schmerzen, die zu Spannungen und
Unbefriedigtheit führten. Unser Körper ist die Hülle, die wir in
diesem Leben zur Verfügung haben. Wenn also unser Körper in der
Sexualität nicht mehr "mitmacht", sei dies eine natürliche
Reaktion und vollkommen O.K., erklärt Puja. Was uns allen fehle, sei ein
Körperbewusstsein und eine Wahrnehmung von dem, was in uns während
des körperlichen Liebens geschieht. Innerlich nicken wir alle und sind
gespannt auf die kommenden Tage. "Körperwahrnehmung" ? wie nehme
ich meinen Körper wahr, frage ich mich. Oft spüre ich ihn erst im
Kontakt mit meiner Partnerin oder dann, wenn er sich in Form einer Krankheit
oder Verspannung meldet. Natürlich hocke ich zu viel vor dem Bildschirm
und sorge trotz Mountainbike und Aikido zu wenig für meinen materiellen
Lebensbegleiter.
Wir lernen
lieben
Es ist kurz vor sieben
Uhr und eigentlich möchte ich noch länger im Bett liegen bleiben.
Doch Punkt sieben Uhr geht es in diesem Kurs bereits los. Und auch die
folgenden Tage werden mit der von mir ungeliebten Dynamischen Meditation
eröffnet. Das heftige Atmen, die ausagierende Phase, das Hüpfen mit
erhobenen Armen und die Begrüssung des Tages ? für mich heisst dies:
den inneren Schweinehund überwinden und einfach mitmachen. Nach dem
Frühstück steht auf dem Programm: Zurück ins Bett und Liebe
machen. Einfach so. Ohne Lust, ohne erotische Spielereien und auch ohne
Absicht. Die ersten Zweifel tauchen auf. Sensibilisiert durch gemeinsame
Erlebnisse und durch Barry Longs Buch Sexuelle Liebe auf göttliche Weise
wissen wir instinktiv trotzdem, dass wir hier richtig sind. Wir lieben uns also
einfach so, ohne Lust und fast ohne Absicht. Vor dem Mittagessen treffen wir
uns wieder im wunderschönen Gruppenraum des Waldhaus Zentrum in
Lützelflüh. Verschiedene Körperübungen aus dem Tai-Chi
bringen mich wieder ins Jetzt und zu mir. Einmal mehr weisen uns Puja und Raja
auf die Wichtigkeit eines Körperbewusstseins beim Liebemachen hin. So
dehnen und strecken wir uns und bringen Leben und möglichst viel
Bewusstsein in uns hinein. Nach einer knappen Stunde ist endlich Zeit für
Hinsetzen und die erste Tranche Theorie. Puja und Raja führen uns behutsam
und liebevoll auf einen anderen Weg der sexuellen Begegnung. "Was wir hier
lehren, ist Basisarbeit", legt uns Puja ans Herz. "Wir wissen nicht,
wie wir einander körperlich wirklich lieben können. Wir haben es nie
gelernt. Und dies ist vermutlich das grösste Unglück auf dieser
Erde", erklärt sie mit sorgenvoller Miene weiter. "Erst in den
letzten paar Jahren ist an einigen Orten dieser Erde ein neues und gleichzeitig
uraltes Verständnis für Sexualität auferstanden. Doch in der
übrigen Welt werden noch immer Millionen von Frauen körperlich und
seelisch missbraucht", holt Puja weiter aus. Ohne in Schuldgefühle zu
verfallen, weiss ich, dass sie Recht hat. Und: Auch Männer werden sexuell
gedemütigt und verletzt.
Die andere
Hälfte
Wir sitzen im
Halbkreis um das Lehrerpaar und lauschen ihren Worten. "Wir kennen meist
nur die eine Hälfte von Sex: Bewegung, Aufladung, Spannung mit dem Ziel
eines Orgasmus, respektive einer Entladung", beginnt Puja, und ihr Partner
Raja ergänzt: "Und wie fühlen wir uns nachher? Näher
zusammen oder weiter auseinander? Wach oder müde?" Wie fühlen
wir uns nachher? ? ein guter Gradmesser für die Qualität des
Liebemachens. Klar: Wer ein Ziel (Orgasmus) erreicht hat, sucht ein neues Ziel
oder schläft einfach ein. Ist es möglich, dass das, was Mann und Frau
am nächsten zusammenbringt, sie auch am weitesten zu trennen vermag?
"Stellt euch vor", fährt Raja weiter, "ihr könnt euch
stundenlang lieben ohne dabei den kleinen Finger zu bewegen." Jetzt wird
es interessant, meldet sich mein Verstand, der meint, dass ein toller Liebhaber
immer kann und will und überhaupt. "Du brauchst zum Liebemachen keine
Erektion, keine Lust und auch kein Ziel", erzählt uns Erstaunten
Puja. "Durch die steten fantasielosen Rein-raus-Bewegungen ist vor allem
die Vagina unempfindlich und verspannt geworden", fährt sie weiter
fort. Doch noch bevor wir ? und dabei meine ich vor allem unseren Verstand ?
Dinge hinterfragen können, werden wir auch schon wieder auf unsere
Doppelzimmer geschickt: "Ab ins Bett und Liebe machen!", lautet der
"Marschbefehl".
Ohne Lust viel
Liebe
Irgendwie fühle
ich mich durch die Aussage von Raja entlastet. "Bringt einfach eure
Genitalien zusammen und lasst die beiden Liebe machen. Versucht nicht, sie
dabei zu stören .", höre ich den Liebeslehrer noch in meinem
Ohr. Ich, Mann, muss nichts tun! Dabei ging ich bisher immer von der
Voraussetzung aus, etwas leisten zu müssen, um geliebt, anerkannt und
bewundert zu werden. Und obwohl meine Partnerin dieses "Spiel" nie
mitgemacht hat und mich einfach so liebt, wie ich bin, wird mir das erst an
diesem Tag bewusst. "Ich muss nichts tun", spreche ich laut aus und
erlösende Tränen fliessen über mein Gesicht. So besessen war ich
offenbar von diesem Muster. Wir liegen vereint im Bett, bewegungslos,
glücklich, liebend . ich muss nichts tun. Mit viel Humor und Gefühl
für den Moment erzählen Puja und Raja in einer weiteren Session aus
ihrem eigenen Leben und wie sie auf diesen Weg geführt wurden. "Immer
und immer wieder hörte ich die Tonbänder von Barry Long, bis ich
wirklich jedes Detail seiner Lehre verstand", erzählt uns Puja. Doch
die Lehre dieses Tantrameisters genügte ihr noch nicht. Obwohl sie die
Wahrheit darin erkennen konnte, fehlte ihr ein wichtiger Teil, den sie in der
Lehre eines anderen Meisters fand: Osho. So bezeichnet sie denn auch Barry Long
als die Wurzel ihrer Lehre und Osho als die Flügel davon. Durch ihre
eigene Erfahrung verband sie die tantrische Weltsicht dieser beiden grossen und
auch umstrittenen Meister. In Raja fand sie den Partner, der mit ihr diese Art
des Liebens leben wollte.
Heilung
erfahren
"Es kann sein,
dass bei dieser neuen Art des Liebemachens alte Verletzungen und Schmerzen
auftauchen", weiss Puja. Sie selber und jeder von uns hat dies auf die
eine oder andere Art erfahren. "Es gab Momente, wo wir einfach nur
verbunden dalagen und uns Tränen runterliefen. Wir wussten nicht, woher
sie kamen. Wir wussten nur, dass die Tränen Heilung brachten",
erzählt uns Raja. Alexandra und ich liegen etwas später
körperlich vereint zusammen, schauen uns in die Augen und atmen.
Irgendwann legt meine Geliebte sanft ihre Hand auf mein Herz. Ich weiss nicht,
wie mir geschieht, doch diese Berührung öffnet in mir eine Schleuse.
Ich weine, wie noch selten in meinem Leben. Tränen fliessen aus einer
Tiefe meiner Seele, die ich gar nicht kenne. Mitten in diese Trauer platzen
eine Heiterkeit hinein und ein Lachen, die sich dann wieder mit tiefster Trauer
verbinden. Ich weiss nicht, woher diese Trauer, dieser Schmerz kommt, und ich
will es auch gar nicht wissen, denn ich empfinde einfach Dankbarkeit und Liebe
für das, was ist. Nach einer halben Stunde ist diese mystische und
zugleich absolut reale Erfahrung vorüber. Mein Brustkasten fühlt sich
weiter an und jeder Atemzug scheint tiefer zu gehen als zuvor. Wow . Und wir
lagen einfach nur verbunden zusammen ohne Lust, Erregung oder Ziel.
Lieben heisst leben
"Das eigentliche
Seminar beginnt erst nach dem Seminar", orakelt Puja an jedem Tag und holt
uns immer wieder auf den Boden der Realität zurück. Wie lange wird
dieses Gefühl des Fliessens wohl anhalten? Ich kenne dieses
Workshopgefühl, das so stark und real ist und doch nach ein paar Tagen
oder Wochen im "normalen" Leben wieder verfliegt. Die alten
Gewohnheiten grabschen wieder nach einem und plötzlich ist wieder Alltag.
Und doch ist hier vieles anders. Ich habe keine Ahnung, weshalb. Dieser Weg ist
mir so klar und vertraut, und ich weiss, dass er der richtige ist für mich
und für meine Partnerin. Was mir dieses Vertrauen gibt, ist die
Einfachheit dieses Ansatzes. Nichts tun müssen, einfach sein und den
beiden Genitalien das Liebemachen überlassen. Zudem bin ich noch nie
Lehrern begegnet, von denen ich so überzeugt war wie von Puja und Raja.
Anstelle von unzähligen Seminaren beschränken sie sich auf fünf
pro Jahr. Den Rest verbringen sie mit dem Leben ihrer Lehre, also mit
Liebemachen. Ihr Hintergrund ist nicht Theorie, sondern jahrelange
persönliche Erfahrung. Kompromisslos leben sie ihre Lehre. Auch
während diesem Retreat. Während einer ruhigen Meditation, bei der wir
alle unsere Augen geschlossen haben, blinzelte ich kurz zu den beiden Leitern
rüber. Sie lagen eng umschlungen auf einer Matte, küssten sich,
strahlten sich an. Für die beiden scheint Liebe offenbar ein Seinszustand
zu sein. Und: Diese Liebe macht auch vor den Teilnehmern nicht Halt. "Wenn
ihr jemals Probleme habt oder nicht weiter wisst: Bleibt damit nicht alleine.
Wir sind eure Freunde. Ruft uns an oder sendet uns eine E-Mail oder ein
Fax", vermelden die beiden Tantralehrer zu unserer aller
Überraschung. Und jeder im Raum glaubt es ihnen. Die Klarheit ihrer Worte
werden durch den Abschied unterstrichen. Da ist nichts von Rückzug und
Wir-Verabschieden-uns-jetzt-von-allen-und-Brauchen-dann-unsere-Ruhe-Gehabe, das
viele Teilnehmer von anderen Seminaren her kennen. Puja und Raja sagen jedem
Menschen, jedem Paar auf ihre persönliche Art goodbye. Da wird herzlich
umarmt, geküsst, gelacht, wie dies sonst nur unter guten Freunden
üblich ist. Ihre Seminare sind auf lange Zeit ausgebucht. Das war nicht
immer so. In der Anfangszeit unterrichteten Puja und Raja auch andere
Tantralehrer, die ihrerseits alle Inhalte ungefragt einfach übernahmen. Da
gab es Making-Love-Workshops von Schülern von Puja und Raja, die mehr
Teilnehmer hatten als die der beiden Lehrer. Doch dass eine Lehre ohne
persönliche Erfahrung und Erlebnisse nicht viel wert ist, spüren
offenbar immer mehr Menschen, die auf der Suche nach mehr Liebe sind.
Was bleibt, ist
Liebe
Ich lese meinen
Bericht über das Meditationsretreat Making Love zum x-ten Mal durch.
Zwischen dem Erlebten und dem Jetzt sind einige Monate vergangen, und ich muss
mich überprüfen, wie viel von dem Gelernten noch gelebt wird. Da
zwischen meiner Partnerin und mir selten Spannungen auftreten, da wir jedes
Konfliktpotenzial sofort ansprechen, ist die Harmonie und Liebe stets
präsent. Meinen Körper habe ich seither wieder etwas
vernachlässigt. Trotzdem spüre ich mich besser und sorge mehr
für ihn, als vor dem Seminar. Immerhin! Das Liebemachen ist für mich
und uns einfacher, lockerer und natürlicher geworden. Uns beiden gelingt
es schnell, in diese achtsame Präsenz zu kommen, die für das
Liebemachen unabdingbar ist. Wir beide spüren den Alltag mit seinen
tausend Ablenkungen und Stressfaktoren. Dabei sind wir oftmals zu streng mit
uns und bedauern das vielleicht mangelnde Bewusstsein. Und doch haben uns diese
sieben Tage verändert. Das Vertrauen in unsere Körper ist gestiegen.
Bedürfnisse sind klarer geworden und Vorstellungen, wie wir sein sollten,
verschwunden. Liebe machen ohne Lust ? noch vor einem Jahr wäre mir dies
unmöglich erschienen. Heute ist es für mich eine wunderschöne
Tatsache, die ich jedem Menschen von Herzen wünsche. Wie viel einfacher,
schöner und friedlicher wäre es auf dieser Welt .

INTERVIEW MIT Osho TIMES
Denn liebe ist kein
gefühl
es ist ein zustand!
Interview mit Satya
Puja und Raja, die zusammen als Tantra-Therapeuten ausschließlich mit
Paaren arbeiten.
Puja, Diana Richardson,
hat über diese Form der Tantra-Arbeit ein Buch geschrieben, das diesen
Monat in der Edition Innenwelt des Osho Verlages erscheint: "Zeit für Liebe - Sex, Intimität und Ekstase
in Beziehungen", lautet der Titel dieses undogmatischen Ansatzes,
der in einfachen, nachvollziehbaren Schritten zeigt, wie man eine
erfüllende Sexualität und Intimität mit dem Partner leben
kann.
F: Puja, wie bist du
zu dieser Arbeit gekommen?
Puja: Ich habe mehrere
Jahre in der Osho Commune in Pune Körpertherapie, genauer gesagt Massage
gelehrt. Zu dieser Zeit begann ich, während ich die Klienten
berührte, mit der Kraft der Entspannung zu arbeiten. Ein anderer Aspekt
meiner Arbeit war, in mir zentriert zu bleiben und nicht im anderen verloren zu
gehen. Was ich daraufhin feststellte war, daß der Kontakt zwischen mir
und der Person, an der ich arbeitete, durch Entspannung und meine Zentriertheit
enorm vertieft werden konnte. So also gehen die Schlüssel der
Liebe, die ich jetzt in den Tantragruppen für Paare vermittle, auf
jene Zeit zurück, in der ich Massage unterrichtete. Durch meine Arbeit als
Körpertherapeutin hatte ich schnell die Schlüsselpunkte im
Körper herausgefunden, die für Entspannung wichtig sind. Diese Punkte
können einem beim Liebe-machen helfen, entspannt im Hier und Jetzt zu
bleiben.
F: Wann hast du dann
angefangen, Tantra für Paare zu unterrichten?
Puja: Das war 1993. Es
fing mit einer fünftägigen Gruppe an. Alle Teilnehmer waren vom
Tantra Department der Multiversity in Pune. Die Gruppe wurde sehr schnell
beliebt. Ich hatte eigentlich nie die Absicht, Tantra für Paare zu
unterrichten, aber es fragten mich so viele Freunde danach. Und es fiel mir
leicht, über dieses Thema zu sprechen. Weil ich jahrelang
Körpertherapie unterrichtet hatte, und da das Liebemachen ja zwischen zwei
Körpern geschieht, war es ein natürlicher Schritt für mich,
Tantra für Paare anzubieten.
F: Wo liegt deiner
Meinung nach der Unterschied zwischen der Art und Weise, wie ihr Tantra
unterrichtet und den anderen Tantraschulen?
Puja: Tantra, wie wir
es verstehen, ist die Transformation von Sex zu Liebe, und zwar durch
Achtsamkeit. Die Sexenergie wird dabei zu einer meditativen Energie und es
wächst Liebe. Es gibt nur sehr wenige Tantra-Lehrer, die sich für die
Verbindung von Sex und Meditation einsetzen. Bei den meisten landläufigen
Formen von Tantra geht es um ekstatisches Erleben, um noch bessere oder
längere Orgasmen. Da muß man etwas tun, um etwas zu bekommen.
Dahingegen versuchen wir, alles Tun wegzunehmen und ganz im Moment zu sein. Die
Intensität entsteht dabei durch Bewußtheit. Und der Sex passiert
dann von ganz alleine. Beim Liebe-machen sollte man entspannen und eine neue
Form von Kommunikation zwischen Penis und Vagina finden. Diese Kommunikation
existiert tatsächlich, ob wir sie nun wahrnehmen oder nicht. Der
größte Unterschied ist also der, alles Tun fallenzulassen. Denn in
Wirklichkeit geht es darum, authentischer zu werden, und immer mehr Menschen
kommen an den Punkt, daß sie das auch im Sex umsetzen wollen.
F: Was genau sind
diese Schlüssel beim Liebemachen? Vorhin hast du von
verschiedenen Punkten im Körper gesprochen, an denen wir
entspannen können. Kannst du ein bißchen mehr dazu sagen?
Puja: Es gibt eine
ganze Menge Schlüssel, die dir helfen, dich beim Sex mehr zu entspannen.
Das Grundlegende ist natürlich deine Achtsamkeit undGegenwärtigkeit.
Der Atem hilft genauso wie bestimmte Körperpositionen. Ich will dir mal
ein Beispiel geben: Im allgemeinen spannen Frauen ihre Vagina an beim
Liebemachen und das beengt den Penis. Deswegen müssen Frauen lernen, so
weit und so offen wie möglich zu sein mit ihrer Vagina. Das widerspricht
allerdings den gängigen Vorstellungen. Manche Frauen haben richtige
Phobien, daß ihre Vagina zu weit und entspannt ist und der Mann deshalb
nichts spüren wird. Sie denken, sie müßten den Penis
unterhalten. Der grundlegende Gedanke bei uns ist der: Wenn die
Frau nicht offen ist, kann auch der Mann nicht fließen. Sobald der
weibliche Kanal geöffnet ist, kann der männliche anfangen zu
fließen. Für Männer bedeutet das, den Beckenboden und die
Pobacken zu entspannen. So-bald der Po angespannt ist, verspannen sich auch die
Genitalien. Ein weiterer wich-tiger Aspekt sind die Polaritäten innerhalb
unseres Körpers. Osho hat darüber sehr viel gesprochen (siehe
Diskurs). Das erste Chakra ist beim Mann positiv und bei der Frau negativ. Und
im Herzchakra ist es genau umgekehrt. Dadurch kann ein Energiekreislauf
zwischen Mann und Frau kreiert werden. Die Brüste sind bei der Frau das
Tor zu ihrer Sexualität. Die Vagina öffnet sich nicht, bevor nicht
die Energie in den Brüsten fließt.
Raja: Männer haben
oft eine seltsame Vorstellung davon, wie sie Frauen erregen können, z.B.
indem sie ihre Klitoris reiben. Aber wenn sie wüßten, daß sie
einfach nur ihre Aufmerksamkeit den Brüsten zu widmen brauchen, würde
sich die Frau ganz automatisch öffnen. Wir müssen sie durch die
Brüste lieben. Wir Männer denken immer, die Frauen funktionieren
genauso wie wir, und selbst die Frauen fangen schon an zu denken, sie
müßten wie die Männer funktionieren. Wenn wir aber in der Lage
sind, unsere Gegensätzlichkeit wertzuschätzen, dann kann ein
Energiekreislauf entstehen.
Puja: Frauen sind oft
in ihren Brüsten blockiert, weil sie Komplexe bezüglich ihrer
Brüste haben, sie sind zu groß, zu schlaff, zu klein ... diese
Blockierungen müssen sich erst auflösen, damit dieser Pol der Frau
klar ist und die Energie fließen kann. Im Grunde genommen müssen wir
alles verlernen, was wir bisher über Sexualität gelernt haben.
F: Also lehrt ihr
genau genommen Meditation und benutzt dazu die sexuelle Energie, um
bewußter zu werden?
Puja: Du kannst das
nicht wirklich trennen. Ob du nun meditieren oder Liebe machen möchtest,
es ist derselbe Weg nach innen. Das Schöne am Liebemachen ist, daß
die Genitalien dich präsent halten. Und ich rede hier nicht über die
Genitalien im alten Verständnis, wo du Reibung benutzt, um dir
Vergnügen zu bereiten, dich selbst zu erregen und dann die Energie zu
entladen. Nein, wir verstehen die Genitalien als elektrische Pole, den Penis
als den positiven und die Vagina als den negativen Pol ? und zusammen wird eine
Energie kreiert. Diese Energie ist auch die meditative Energie, die Quelle der
Ekstase. Der erste Schritt beim Liebemachen ist der, zu dir selbst
zurückzukommen und nicht mit deiner Aufmerksamkeit nur beim anderen zu
sein. Je mehr du dich zu dir selbst hin öffnen kannst, umso mehr Energie
kann auch fließen.
F: Ist das einer der
Liebes-Schlüssel ? am Anfang mehr mit sich selbst in Kontakt
zu sein?
Puja: Nicht nur am
Anfang, die ganze Zeit über mußt du mit dir selbst in Kontakt sein.
Raja: Wir wollen uns
einfach ganz genau anschauen, was wir im Sex machen. Wir sagen nicht, daß
wir etwas verändern wollen, wir sagen nur: Laßt uns
Achtsamkeit und Bewußtheit in den Akt bringen, um zu sehen, wie wir Liebe
machen. Dann wirst du eine Menge entdecken, z.B. mit welchen Denkmustern
und Konditionierungen du die Sache angehst. Wir benutzen keine Technik, sondern
wir bringen Achtsamkeit in den Vorgang, und das verändert die Art und
Weise wie wir Liebe machen. Im selben Moment, da du sehen kannst, daß du
in einem fixen Programm steckst und Sex für dich mechanisch abläuft,
möchtest du natürlich raus aus diesem Muster. Sobald du deine
Lebensenergie als Einheit erkennst, als eine Energie, und du anfängst, in
die Basis dieser Energie, also in den Sex hineinzuentspannen, wirst du
insgesamt in deinem Leben entspannter sein können. All die anderen
Bereiche, in denen du deine Energie ausdrückst, werden dann entspannter,
weniger zielorientiert, du hast weniger Ambitionen, es gibt weniger Aufregung.
Einige Teilnehmer kommen hinterher zu uns und sagen: Wow, das war die
wichtigste Erfahrung meines Lebens. Ich sehe die Welt jetzt mit ganz anderen
Augen.
Puja: Ab und zu kriegen
wir auch sehr junge Paare in unsere Gruppe, die gerade mal neunzehn oder
zwanzig sind, und die sagen dann zu uns: Hey, was für eine
Erleichterung! Denn sie fingen gerade an zu spüren, wieviel
Leistungsdruck und Erwartungen an die Sexualität gekoppelt sind. Das
ist ja phantastisch, ich muß ja gar nicht unbedingt einen Orgasmus haben
oder meiner Freundin zu einem Orgasmus verhelfen. Ich muß ja gar nicht
jedes Mal kommen. Wir versuchen also von Anfang an, diese Erregung
herauszunehmen, denn solange du dein Augenmerk auf der Erregung hast, entgehen
dir die subtilen Dinge beim Liebemachen.
F: Was für
Leute kommen in eure Gruppen? Was erwarten sie von der Gruppe? Sind sie an
Meditation und an spirituellem Wachstum interessiert oder wollen sie einfach
eine besser funktionierende Beziehung?
Puja: Die Teilnehmer
kommen aus allen Altersgruppen von neunzehn bis neunundsechzig Jahren. Sie
kommen, weil sie Sehnsucht nach einer tieferen Erfahrung haben, einer
Erfahrung, die sie mehr erfüllt. Sie haben das Gefühl, sie sind in
einer Einbahnstraße steckengeblieben. Und selbst, wenn sie den Partner
wechseln, kommen sie wieder an denselben Punkt. Jeder, und speziell Frauen,
spürt intuitiv, daß es da noch mehr geben muß. Die
Möglichkeit, Sex und Meditation zusammenzubringen, ist für viele dann
wirklich eine Offenbarung.
F: Osho spricht in
seinen Tantra-Büchern oft davon, die Energie innen zu halten und nicht
rauszuwerfen. Wie sieht dieser Aspekt in eurer Arbeit aus?
Puja: Was wir bisher
gelernt haben, ist, die Energie nach unten in unsere Genitalien zu leiten und
beim Höhepunkt hinauszuwerfen. Wenn du aber die Energie im Körper
hältst, steigt sie automatisch nach oben. Das einzige, was wir also machen
müssen, ist, mit unserer Gewohnheit, Sexenergie hinauszuwerfen, zu brechen
und zu entdecken, daß es da etwas jenseits des Höhepunktes gibt.
Für den Mann jenseits der Ejakulation, und für die Frau jenseits
eines Orgasmus ? für den sie hart arbeitet, Energie aufbaut, nur um diese
dann zu entladen. Was wir brauchen, ist eine Neuorientierung bezüglich
unserer Sexualität. In uns selbst ist ein vollständiger Kreislauf von
Energie angelegt, aber wir nutzen immer nur einen Teil davon. Wir müssen
lernen, unsere Energie in uns zirkulieren zu lassen, damit sie aufsteigen kann.
Wir müssen uns auch fragen: Was gibt uns ein Orgasmus wirklich? Warum ist
er so wichtig für uns? Mach dir mal eine Liste von allem, was zu einem
Orgasmus dazugehört: harte Arbeit, Anspannung, Erfolgsdruck,
Vortäuschen, Konkurrenz usw
Wenn du dir den Orgasmus als Ziel
setzt, dann kannst du nicht den Moment genießen, dann fehlt dir die
Präsenz. Wir müssen lernen, daß das Liebemachen ohne jede
Anstrengung geschehen kann. Der Körper möchte Liebemachen, dazu
braucht er den Verstand nicht. Ein weiterer wichtiger Punkt für Paare ist
auch der Umgang mit ihren Emotionen. Oftmals erkennen wir nicht, wie Emotionen
Liebe zerstören können. Und zwar, weil wir uns nicht bewußt
sind, wie unsere Emotionen funktionieren. Wir arbeiten sehr viel mit Emotionen
und betrachten sie aus einer völlig anderen Perspektive.
Raja: Wir arbeiten in
unseren Gruppen auch sehr viel mit dem Körper. Schließlich sind es
die Körper, die Liebe machen, nicht der Verstand. Die Gesellschaft bringt
uns bei, Sexualität über den Verstand zu leben: Durch Phantasien,
Vorstellungen, z.B. pornografische Magazine und Filme. Es ist also wichtig, ein
Körperbewußtsein zu entwickeln, da die meisten von uns zu sehr im
Kopf leben.
Puja: Bei unserer
Arbeit geht es darum, eine Veränderung des Bewußtseins zu erreichen
und nicht, eine neue Technik zu lernen. Wir wollen den Leuten nicht den
Eindruck geben, daß das eine richtig und etwas anderes falsch ist,
sondern sie dazu ermuntern, ihre Sexualität mit Wachheit und
Bewußtheit wahrzunehmen. Es geht nicht darum, mit der Vergangenheit und
deiner bisherigen Art und Weise von Liebemachen zu brechen und dann etwas Neues
zu lernen, sondern dich im Sex bewußt wahrzunehmen. Andernfalls
würdest du für ein paar Wochen das Neue ausprobieren und dann
schleicht sich durch die Hintertür dein alter Stil wieder ein.
F: Können wir
noch einmal auf den Punkt zurückkommen, an dem ihr gesagt habt, daß
ihr viel mit den Emotionen und Gefühlen arbeitet? Wie sieht das
aus?
Raja: Wir unterscheiden
zwischen Emotionen und Gefühlen. Gefühle geschehen im Moment ? das,
was du hier und jetzt wahrnimmst und spürst. Jedes Gefühl macht dich
offener, verletzlicher, intimer und bringt dich letztendlich deinem Partner
näher. Emotionen dagegen haben ihre Wurzeln in der Vergangenheit. Bei
einer Emotion machst du den anderen verantwortlich, fühlst dich also eher
getrennt, fängst an, den anderen zu beschuldigen. Sobald ich den
Unterschied erkennen kann, und z.B. wahrnehme, daß ich Puja beschuldige,
dann weiß ich sofort, daß dies eine Emotion ist, die aus meiner
Vergangenheit kommt. Puja war nur der Auslöser und ist nicht die Ursache.
Dann kann ich diese Emotion zu mir selbst zurücknehmen, und einen Weg
finden, wie ich sie löse und frisch zu meiner Partnerin zurückkehre.
Wir haben die Tendenz, unseren ganzen seelischen Müll auf die Person
abzuladen, die wir am meisten lieben, weil wir glauben, daß sie der Grund
dafür ist, daß wir uns schlecht fühlen. Frauen werden im
allgemeinen als emotionaler betrachtet als Männer, aber das ist absoluter
Blödsinn. Männer, denen es nur um ihre eigene sexuelle Befriedigung
geht, geben der Frau beim Sexakt ihre ganze Spannung ab, und was übrig
bleibt ist ein ganzer Speicher voller Spannungen in der Frau, die sie in sich
behält. Diese manifestieren sich dann in Emotionen. Wir glauben, daß
viele Probleme wie z.B. prämenstruelle Beschwerden oder auch Probleme
bezüglich der Menopause ihre Ursache in einer lebenslangen falschen Art
und Weise des Liebemachens haben.
F: Was sind konkrete
Anzeichen dafür, daß ich in Emotionen verfangen bin?
Puja: Du bist
emotional, wenn du anfängst, jemand anderen zu beschuldigen. Oder wenn du
dich getrennt und nicht verbunden fühlst, und wenn du jemanden nicht
anschauen kannst. Oder du hörst dich selbst einen Satz wiederholen, den du
schon seit Jahren benutzt. Wann immer du sagst: Du machst nie/immer
... oder: Du bist nie/immer..., dann weißt du, du bist
in einer Emotion und die Vergangenheit regiert dein Leben.
F: Was ratet ihr
euren Teilnehmern, wie sie mit diesen Emotionen umgehen können?
Puja: Als erstes sagen
wir ihnen, daß es nicht wichtig ist zu wissen, was die Ursachen für
diese alten Emotionen sind. Zweitens ist es wichtig, deinem Partner
einzugestehen, daß du emotional bist. Wir schlagen ihnen vor, sich
körperlich zu bewegen, joggen zu gehen, zu rennen, zu schreien oder auf
Kissen zu schlagen,Dynamische Meditation zu machen, um diese Emotionen zu
entladen. Hauptsache, du hörst auf, deine Emotionen am Partner
auszulassen.
F: Finden Frauen
eigentlich leichter einen Zugang zu dieser Art des Tantra als Männer?
Puja: Ganz sicher
erkennen die Frauen die Wahrheit dessen, was wir lehren, viel schneller, als
dies die Männer tun. Die alte Form von Liebemachen mit Anstrengung und
übermäßigem Tun brettert ja förmlich über die
weibliche Energie hinweg. Die Frauen leiden deshalb mehr unter einer
oberflächlichen zielorientierten Sexualität als dies Männer tun.
Raja: Natürlich
ist es für Männer schwierig, ihre alte Konditionierung loszulassen.
Wenn z.B. eine Frau zu dir sagt, daß du ein miserabler Liebhaber bist,
dann schmettert das wie ein Faustschlag auf das männliche Ego. Das zeigt,
wie wichtig uns Männern Sex ist. Wir wissen oft gar nicht, wie wir einfach
im Sex sein können, ohne Tun, es einfach passieren zu lassen und damit zu
fließen.
Puja: Bei dem neuen
Ansatz von Achtsamkeit und Nicht-Tun im Sex kann auch der Mann endlich
entspannen und muß nichts mehr bringen. Schon nach einer
Woche spüren die Männer einen Unterschied in der Sensitivität
ihres Penis. Man kann also nichts auf dieses landläufige Vorurteil geben,
demzufolge Tantra für Frauen gut sei und den Männern eher keinen
Spaß bringe. Erst wenn die Frau sich wirklich sexuell öffnen kann,
erlebt der Mann das Fließen seiner Energie. Die Frau hat im sexuellen
Bereich eine Schlüsselfunktion, sie kreiert das Klima und hat damit viel
mehr Macht im Sex, als sie selbst vielleicht wahrnimmt.
F: Ihr habt gesagt,
daß viele Paare zu euch kommen, die nicht direkt an Meditation
interessiert sind, und doch ist das, was ihr beide da tut, nichts anderes als
Bewußtseinsarbeit. Können eure Teilnehmer ihre Erfahrungen in den
Alltag integrieren?
Raja: Für die
meisten Leute ist es ja so, daß das Liebemachen am Ende ihrer
Prioritätenliste steht. Erst müssen tausend andere Sachen erledigt
werden, und dann, am Ende des Tages, kurz vor dem Einschlafen oder am Morgen
bleibt eine Viertelstunde zum Liebemachen. Und das wird dann Spontaneität
genannt, dabei ist es rein zufällig. Wir sagen den Leuten, daß sie
es an die oberste Stelle ihrer Liste setzen müssen. Und wenn sie zu
beschäftigt sind, müssen sie sich zum Liebemachen verabreden und es
in den Kalender eintragen. Das funktioniert im allgemeinen sehr gut, wenn du
weißt, am Donnerstag nachmittag um 17 Uhr hast du zwei Stunden Zeit, um
Liebe mit deiner Frau zu machen. Unsere Teilnehmer berichten uns, daß das
sehr gut funktioniert ? anstatt ins Kino zu gehen oder mit Freunden zu
tratschen oder Zeitung zu lesen, die Zeit zum Liebemachen zu nutzen. Und das
verändert dann wirklich ihr Leben.
Puja: Die Leute
erkennen, daß sie sehr viele Dinge in ihrem Leben tun, die eigentlich
keine wirkliche Bedeutung haben, die ihnen nicht wirklich etwas geben. Sie
lassen dann mehr und mehr diese unwichtigen Dinge sein und richten ihren Fokus
auf Meditation und Liebe. Wir sind sehr viel in Kontakt mit unseren
Teilnehmern. Sie schreiben uns, rufen uns an und schicken uns eMails. Unsere
erste Frage ist dann immer: Wie oft macht ihr Liebe? Und den
Paaren, die sich oft lieben, geht es weitaus besser als denen, die sich nur
einmal im Monat dafür Zeit nehmen. Je mehr Liebe du machst, desto
liebevoller wirst du auch. Es ist auch interessant, wie Eltern mit Kindern sich
in diesem Punkt verhalten. Sie denken, sie müßten etwas mit den
Kindern unternehmen und haben keine Zeit zum Liebemachen. Aber Kinder
spüren ganz genau, wie ihre Eltern zueinander stehen. Wenn viel Spannung
und Streit zwischen den Partnern besteht, schicken manche Kinder von Paaren,
die mit uns Gruppen gemacht haben, sogar ihre Eltern zum Liebemachen ins Bett.
F: Puja, du hast ein
Buch geschrieben (The Love Keys) mit dem deutschen Titel Zeit für
Liebe, in dem du deinen Weg des Tantra erläuterst. Was hast du mit
dem Buch bezweckt
Puja: Ich habe dieses
Buch geschrieben, um unser Bewußtsein in punkto Liebe-machen zu
verändern. Und ich habe schon einige Rückmeldungen erhalten von
Lesern, die nach der Lektüre berichteten, daß sich ihr Liebesleben
komplett verändert hat, ohne daß sie etwas dafür getan
hätten. Das Buch soll nicht nur eine Ergänzung zum
Gruppenprozeß sein, sondern ist auch gerade für Menschen gedacht,
die nicht zu einer Gruppe kommen können.
Raja: Der eigentliche
Unterschied zu anderen Arten von Tantra ist der, daß unser Ansatz sehr
einfach ist, ohne spezielle Rituale. Es ist Körperarbeit, Vermittlung von
Verständnis und Praktizieren des Liebemachens. Wir sagen zu den Leuten:
Wir geben euch nicht die Blüten, sondern nur die Samen. Die wahre
Arbeit fängt nach unserer Gruppe an. Ihr müßt diese
Informationen mit nach Hause nehmen und in euer Leben einbauen, und ihr
müßt die Saat hegen und pflegen, damit sie aufgehen
kann, damit sie Sonne, Nahrung und Liebe bekommt.
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